Der Weichsel-Werder-Ring »  Fürstenwerder

Die Anfänge der festen Besiedlung des Marchlandes der Wiechsel reichen bis ins XII Jh., aber die großangelegte Ansiedlung wurde erst vom Deutschem Orden im XIV Jh. mit Hilfe von deutschen Kolonisten durchgeführt. Die Dörfer gemäß deutschem Recht (im Chełmno-Format) wurden in einer geschlossenen Bauart, entlang einer Straße (Platz) erbaut und die Häuser, die durch die Ansiedler errichtet worden waren, wiesen charakteristische Bogengänge auf, die auf einigen massiven Säulen gestützt waren.

Zweihundert Jahre später, zur Zeit der polnischen Königsherrschaft, siedelten in den Marchland Mennoniten an, die in der Niederlande, ihrem Heimatland, verfolgt wurden und die in die für ihre Glaubensfreiheit bekannte Republik Polen zogen. Die Mennonitendörfer waren zerstreut. die einzelnen Bauernhöfe wurden mit einer gewissen Entfernung von einander, entlang des Wegs, der Schifffahrtskanals oder auch ganz in der Mitter des dem Ansiedler zugesprochenen Landstückes gebaut.

Auch die Häuser der „Olęder“ waren laut des aus der Niederlande stammenden Schemas erbaut. Statt großen, einstöckigen Häusern mit einer Konstruktion mit Bogengängen bauten die Mennoniten kleine Bungalows, die zusammen mit der Stallung und der Scheune eine Reihe bildeten. Um gegen Überschwemmungen vorzubeugen, waren diese Bauernhöfe laut  niederländischer Art auf künstlichen Hügeln, die Warft genannt werden, errichtet.

Das Marchlandesdorf  bildet ein lebendiges Freilichtmuseum, in dem die beiden Ansiedlungskulturen sich gegenseitig beeinflussen.  Das vom Winrich von Kniprode, Hochmeister des Deutschen Ordens, platzierte und später im XVI Jh. teilweise von Mennoniten besiedelte Dorf, bildet ein teilweise reines Straßen-  und teilweise ein Kolonialdorf mit Warftbau. Eine Sensation ist es, dass fünf Bogenganghäuser (das älteste aus dem Jahr 1721) erhalten wurden, drei bei der Hauptstraße durch das Dorf (ein davon ist eine Ruine) und zwei auf mennonitischen Ansiedlungsinseln, wobei einer von ihnen laut niederländischem Model mit dem Nebengebäude verbunden war! Zwei von diesen Häusern haben zusätzlich eine außergewöhnliche, sorgfältig erneuerte Innenausstattung – was auf dem Marchland etwas besonderes ist – voll mit antiken Möbeln, Gemälden, niederländischen Steingut und Kupferbesteck (diese können nach Vereinbarung mit den Eigentümern besichtigt werden).

Die dortige Kirche ist zwar neugotisch und stammt „nur“ aus dem Jahr 1841, aber in ihrem Innerem wurde die komplette Barockausstattung aus einem älteren Gotteshaus aufbewahrt. Zur vollen Versinnbildlichung gibt es dort auch eine neue Zugbrücke, die als erstes Bauewerk dieser Art auf dem Marchland (ganz neu) nach dem zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde. Diese Brücke führt zum Dorf Drewnica, das am anderen Ufer der Szkarpawa liegt und in dem eine der zwei letzten Mühlen auf dem Marchland aufbewahrt wurde. Es handelt sich und eine Getreidemühle des Typs Bockwindmühle aus dem Jahr 1718. Auf der Landzunge zwischen der Hauptströmung  der Wischsel und Szkarpawa bestand zwischen dem XVI und XVII Jh. eine Bastionsfestung die „Gdańska Głowa“ genannt wurde und die den Zutritt nach Danzig vor der Richtung des Wasserwegs überwachte. Heute gibt es keine Spur von ihr, wobei der Name auf eine Schleuse auf dem Fluss Szkarpowa im Jahr 1895 übertragen wurde.


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